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Raum und Nährstoffe für die Wurzeln großer Bäume

Mitteilung vom 25.06.2020

Sie sind die vielleicht ältesten Lebewesen in der Apfelstadt: die Eiben am Eduard-Heinkes-Platz, geschätzt 250 bis 300 Jahre alt. Auch die beiden Blutbuchen vor dem historischen Vorster Rathaus aus dem Jahr 1903 haben mit ihren etwa 150 Jahren ein stattliches Alter erreicht. Vieles könnten sie erzählen – vor allem davon, wie stark sich ihr Lebensraum verändert hat. Denn während die Bäume wuchsen und gediehen, hat sich die Welt um sie herum in den Jahrhunderten stark verändert. So stark, dass ihr Lebensraum verdichtet, bedrängt und abgeschnitten wird – und das Gedeihen nur noch schwer möglich ist. Problem: Umziehen können diese Bäume nicht. Sie sind sprichwörtlich mit ihrem angestammten Platz verwurzelt.

Um diese ausgewachsenen Laubbäume an ihrem Standort zu unterstützen, hat die Stadt Bodenverbesserungsmaßnahmen durchgeführt. Denn der ökonomische wie ökologische Wert der Laubbäume ist enorm: „Sie können bis zu 4,5 Tonnen Sauerstoff pro Jahr produzieren, rund 6 Tonnen CO2 absorbieren und die Umgebungstemperatur um mehrere Grad ausgleichen“, sagt Landschaftsarchitektin Heike Goßen vom Bereich Umwelt. Die beiden Blutbuchen sind etwa 21 Meter hoch, haben einen Kronendurchmesser von 17 Metern sowie einen Stammumfang von knapp 3,50 Metern.

„Man muss sich das wie einen Spiegel vorstellen: Das, was man als Kronendach bewundert, spiegelt sich in etwa gleicher Größe als Wurzelwerk im Boden wider“, erläutert die Fachfrau. Haben die Wurzeln keinen ausreichenden Platz, finden sie weder ausreichend Nährstoffe noch Wasser - so dass Teile der grünen Krone absterben.

Wie funktioniert die Bodenverbesserung? Mit ganz niedrigem Druck wird eine pulsierende Luftströmung in den Boden injiziert. Dadurch entstehen Wurzelkanäle im Boden, in die nachher ein Substrat mit Nährstoffen, Mykorrhiza-Pilze – die in Symbiose mit Bäumen leben – und Bodenbakterien gefüllt werden. Und das ohne, dass Asphalt oder Bodenplatten entfernt werden müssen. Eine Behandlung dauert rund 1,5 Stunden. Pro Baum wurden 450 Liter TFI Substrat in 30 Kubikmeter Wurzelraum eingebracht – anhand von zirka 25 bis 30 injektionsstellen rund um den jeweiligen Baum.

Hat die Bodenverbesserung an der St. Töniser Straße bei den Blutbuchen problemlos geklappt, war der Boden bei den beiden Eiben am Eduard-Heinkes-Platz durch die Trockenheit bereits so stark verdichtet, dass man im Herbst diese Maßnahmen nachholen muss. Die beiden Naturdenkmäler sind etwa 16 Meter hoch, der Kronendurchmesser beträgt 9 und der Stammumfang von 2,85 Metern. Eiben galten unter anderem bei den Kelten als heilige Bäume, die beispielsweise als Schutz vor bösen Geistern genutzt wurden.

Text: (cp) & Foto: Friedhelm Reimann

 

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