Inhalt

Bürgermeister Leuchtenberg: Tönisvorst öffnet die 'Schatzkiste'

Mitteilung vom 24.08.2022 (archivierte Mitteilung)

v.l.n.r.: Bernd Schumacher vom Apfelparadies, Dirk Schumacher vom Koitzhof, Bürgermeister Uwe Leuchtenberg, Bernd Fruhen vom vom Obsthof Fruhen, Apfelkönigin Melanie I und Jacqueline Huhndorf vom St. Töniser Obsthof.

“Die Stadt öffnet heute ihre Schatzkiste”, so Bürgermeister Uwe Leuchtenberg schmunzelnd und zeigt auf eine saftig grüne Landschaft mit unzähligen, knorrigen kleinen Bäumen, an denen sich leuchtend rote, grüne und gelbe Früchte träge im Wind wiegen. Klare Botschaft: Mit der Schatztruhe der Stadt sind die Apfelplantagen gemeint. Die Juwelen darin? 20 verschiedene Apfelsorten. „Aktuell geerntet werden Zari, Santana, Elstar und der Delbarestivale, der vor Ort „Festival“ genannt wird“, so Tönisvorsts amtierende Apfelkönigin Melanie I. „Der Santana trägt auch die Bezeichnung Allergiker-freundlich“, ergänzt die Apfelkönigin.

Delbarestivale - oder auch Festival

Der Festival mit grünlich-gelber Grundfarbe ist aromatisch süß mit milder Säure. Manch einen erinnert der Geschmack an Anis. Entstanden ist er in Frankreich Anfang der 80er Jahre aus einer Kreuzung von Stark Jon Grimes und Golden Delicious. Er gilt als guter Tafelapfel für den Frischverzehr. Zari - eine mittelgroße, leuchtend rot gestreifte Frucht mit grünlicher Grundfarbe – ist eine noch recht junge Sorte: Entstanden in Belgien in den 2000er Jahre durch eine Kreuzung aus Elstar und Delbarestivale. „Das ist ein sehr saftiger Apfel mit schönem Bissverhalten, der ein bisschen die Säure vom Elstar hat“, so Obstbauer Bernd Schumacher vom Apfelparadies. Er ist als Tafelapfel für den Frischverzehr, aber auch zum Backen und für Kompott geeignet.

Elstar - cremefarbenes Fruchtfleisch, das bei Hitze nicht zerfällt

Der Elstar, dessen Ernte erst diese Woche beginnt, ist ein mittelgroßer, flach kugeliger, zweifarbiger Apfel mit goldgelber bis orangeroter Schale. Der Elstar - 1955 in den NL gefunden und seit 1972 in Europa verbreitet - hat eine Besonderheit: Sein cremegelbes, bissfestes und saftiges Fruchtfleisch zerfällt nicht bei Hitze. Fachleute empfehlen ihn aufgrund seiner ausgeprägten Säure fürApfelblätterteig-Tarteletts – aber auch in einem Salat mit Ziegenkäse oder Apfelkraut-Salat.

Ernte startet 14 Tage früher

Die diesjährige Ernte hat im Vergleich zum Vorjahr 14 Tage früher angefangen. Man erwartet einen guten Ertrag. Die Hitze und Sonne hätten vor Ort den Früchten – dank der Beregnungsanlage und der damit verbundenden Abkühlungsmöglichkeit – nicht geschadet. Sondern ganz im Gegenteil für sehr aromatische Früchte mit guten Oechsle-Werten, sprich Zuckerwerten, gesorgt. Dennoch gäbe es bereits heute Apfelsorten, die man aufgrund des sich verändernden Klimas selbst auf Nachfrage nicht mehr anbauen würde: den Cox Orange. „Diese Früchte würden aufgrund der Hitze teils schon am Baum aufplatzen“, so Dirk Schumacher vom Koitzhof in der Huverheide. Eine ältere Sorte, die zwar zum Frischverzehr nicht si gefragt ist, aber in der Küche, ist der Boskoop: „Der eignet sehr gut als Back- und Bratapfel“, erläutert Apfelbäuerin Jacqueline Huhndorf vom St. Töniser Obsthof.

Neue Sorte: Kreuzung aus Honey Crunch und Suri

Auf rund 100 Hektar werden in Tönisvorst Äpfel angebaut. Rund 300 000 Bäume sollen es sein. Darunter 5000 Bäume mit einer ganz neuen Sorte, die noch nicht einmal einen Namen trägt: eine Kreuzung aus Suri und Honey Crunch - dem wohl saftigsten Apfel, den es gibt. Dieses Jahr wird die Kreuzung aus den beiden zum ersten Mal geerntet. Immer wieder probieren die Apfelbauern neue Sorten aus, wollen den Geschmack der Verbraucher treffen. Zwei der aktuellen Renner – sprich sehr beliebt bei den Verbrauchern - sind Wellant und Suri.

Wertschätzung für regionale Produkte

Fünf Obstbauern – darunter eine Obstbäuerin – bauen in Tönisvorst Äpfel an (siehe auch Infobox). „In so einem Apfel steckt jede Menge Arbeit, bevor wir Verbraucher ihn in Händen halten können“, so Bürgermeister Uwe Leuchtenberg, der den Vorteil regional produzierter Produkte hervorhob und dafür appellierte, sowohl der Frucht, als auch der Arbeit, die dahinterstecke, mit Wertschätzung zu begegnen.

Info-Box:

  • Weltweit sind in etwa 20 000 Apfelsorten bekannt – rund 60 davon werden wirtschaftlich genutzt und angebaut.
  • In Tönisvorst gibt es eine Apfelbauerin und vier Apfelbauern: Drei davon auf der Huverheide und zwei in St. Tönis – alle in der Direktvermarktung mit erntefrischen Äpfeln, Saft und weiteren landwirtschaftlichen Erzeugnissen (siehe auch Broschüre „Landläden & Hofcafés“ in Tönisvorst).
  • Der Apfel ist tatsächlich ein „Superfood“, soll bei Demenz unterstützend wirken, Darmkrebsrisiko vorbeugen, den Cholesterin-Spiegel senken.
  • Die Erntezeit (Pflückzeit) ist in der Regel von Ende August bis teils in den November hinein – je nach Witterung. Danach reifen einige Äpfel noch nach. Bei guter Lagerung lassen sich auch zuhause die Äpfel noch bis ins Frühjahr hinein lagern.
  • Die Apfelblüte – die übrigens den Vollfrühling anzeigt – beginnt inzwischen 2 Wochen früher als noch in den 60er Jahren. Die Apfelblüte beginnt im Süden Deutschlands und bewegt sich dann – wie eine Art „La-Ola-Welle“ nach Norden.
  • Rund 20 verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften werden in der Apfelstadt angebaut.

 

Text & Foto: (cp)

 

@@teaser